säkularer Buddhismus und Buddhistische Tradition

Für mich ist „säkularer Buddhismus“ eine Geisteshaltung, Buddhismus zu leben und dennoch vom Geist der Aufklärung geprägt zu sein. Dies widerspricht dem Buddhismus meiner Ansicht nach nicht, sondern ergänzt ihn, da die Lehre Buddhas zutiefst humanistisch ist und der Buddha eigenes, authentisches Erfahren in den Vordergrund stellt, statt sich in metaphysischen Spekulationen zu verheddern.

Säkulare Buddhisten können aus diesem Grund prinzipiell dieselbe Praxis besitzen wie traditionelle Buddhisten. Diese kann sogar „mystisch“ sein, wenn man unter Mystik etwas den Dingen und dem Geist immanent Geheimnisvolles versteht, das sich dem Denken und insbesondere unserem kleinen Narrativ, das wir „das Selbst“ nennen, entzieht. So verstanden, eröffnet Mystik uns das Erhabene im Alltäglichen, das Schöne aber auch das Tragische im Leben, anstatt es irgendwo in der Transzendenz zu verorten.

Ich meine, dass säkularer Buddhismus „engagiert“ sein bzw. die Praktizierenden ermutigen oder ihnen helfen sollte, sich gesellschaftlich zu betätigen. Auch säkulare Buddhisten teilen den Standpunkt, dass die Folgen von Handlungen oft weit über das eigene Leben hinausreichen. Den tiefen Wunsch, das eigene Leid und das von anderen zu lindern, teilen wohl alle Buddhisten.

Zur Befreiung führt nach Buddha ein Weg aus acht Aufgaben: rechte Ansicht, rechte Absicht, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit und rechte Konzentration. Dies sind Übungen, die alle Lebensbereiche umfassen und uns helfen sollen, leidvolle Beziehungen – zu uns selbst oder zu anderen Menschen – zu transformieren. Meditation, die im Westen sehr im Fokus steht, ist ein wichtiger Teil – aber eben nur ein Teil, der mit anderen Aufgaben verwoben ist.

Säkularer Buddhismus kann neue Formen der Praxis entwickeln, die für die Menschen dieser Gesellschaft verständlich, heilsam und befreiend sind. Da er nicht an eine Tradition gebunden ist, ist er auch frei von Dogmen, die in der Regel Hunderte von Jahren nach Buddhas Tod entstanden und teilweise nicht mehr zeitgemäß sind. Er kann ebenso aus dem Kulturschatz vieler buddhistischer Traditionen schöpfen.