Das Philosophische Tier

Die Welt der Philosophie ist voller cleverer Antworten. Mehr als die Antworten interessiert mich aber der Mensch, der nach diesen Antworten sucht. Wir alle stellen uns irgendwann im Leben einmal Fragen wie: Was soll ich tun? Was passiert nach dem Tod? Wer oder was bin ich? Gibt es das Böse und wenn ja warum? Was ist der Sinn meines Lebens?

Ich denke, Philosophie ist kein Selbstzweck, sondern die Erfüllung natürlicher Bedürfnisse. Menschen haben ein Bedürfnis danach, ihre grundlegende Einordnung in diese Welt zu verstehen und dem ganzen dann möglichst eine Bedeutung zu geben.

Warum sonst hat bisher jede Kultur immer auch eine Religion besessen. Wohl kaum, weil religiöse Mythen bei nüchterner Betrachtung besonders plausibel erscheinen. Und hier stoßen wir auf das Dilemma unserer Zeit: Aufklärung, Wissenschaft und die großen Verbrechen des zwanzigsten Jahrhunderts haben die Grundpfeiler der Religionen ins Wanken gebracht. Gott entpuppt sich immer mehr als Projektion der Menschen. Die Zahl der Kirchenaustritte steigt stetig.

Blöderweise bieten Rationalismus und Wissenschaft nicht so richtig eine Alternative zur Religion an, sie verdrängen diese erst mal nur. Es entsteht eine Lücke. Der Mensch als philosophisches Wesen kann diese Lücke nun auf verschiedene Weise füllen.

Er kann stur weiter an etwas glauben, dass mit einem kritisch-rationalen Denken unterm Strich einfach unvereinbar ist. Oder er kann sagen: Okay, Gott ist tot, nur das Materielle existiert. Ich habe nur dieses eine Leben. Danach kann ruhig die Sintflut kommen. Bis dahin genieße ich mein Leben durch exzessiven Konsumismus.

Zum Glück gibt es noch einen dritten Weg, nämlich den der Lebensphilosophie und Selbsterfahrung.

Unter diese dritte Kategorie fällt auch der säkulare Buddhismus. Er bedeutet für mich: Selbstständig Nachdenken und Meditieren über die zentralen Fragen des Menschseins. Der jahrtausendealte Kulturschatz des Buddhismus ist für mich dabei kein Dogma, kein Gesetz und kein Glaubenssatz. Er ist eine Quelle großer Inspiration. Nicht mehr, nicht weniger.

 

- von Thomas Kleiner